25. März 2008...7:24

Gedankliches Zwiegespräch zu „MINT, Gender und eLearning“ (Teil 2)

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[Fortsetzung von ... Teil 1]

[ ... ] Bei gleichem Interesse, lassen sich keine Leistungsvorteile der Jungen nachweisen. Ein Hinweis darauf, dass Mädchen nicht zu wenig Intelligenz für MINT-Themen besitzen, sondern nach anderen Ursachen gesucht werden muss.

 

F: Die Hälfte aller Studierenden sind Studentinnen. Es kann uns ja egal sein, wenn sie sich nicht für MINT interessieren, oder? Warum lang nach Ursachen suchen?

A: Es gibt viele Gründe. In Deutschland gilt das Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit und Frauen werden im MINT-Bereich dringend gebraucht. Vor dem Hintergrund eines beginnenden und in Zukunft größer werdenden Fachkräftemangels kann die Wirtschaft nicht auf im MINT-Bereich gut ausgebildete Frauen verzichten. Ich denke außerdem, dass jedes Team von einem ausgeglichenen, zahlenmäßigen Verhältnis zwischen Frauen und Männern profitieren kann, weil unterschiedliche Sichtweisen gleichermaßen vertreten werden.

F: Nun gut… Frauen dürfen und können ja alles studieren, wie wir festgestellt haben! Warum studieren sie dann nicht MINT?

A: Das weiß ich nicht. Ich kann erklären, warum ich mich nach dem Abitur dazu entschlossen habe ein MINT-Fach – nämlich Informatik – zu studieren. Ich hab auch mal einige Gedanken von Mädchen gesammelt und zusammengefasst, die versuchen zu erklären, warum Mädchen sich nicht für Informatik interessieren. Dass so wenige Fragen MINT studieren kann so viele Ursachen haben… Ich versuche mal einige zusammenzutragen:

1) Wie ich schon angedeutet habe, könnte es sein, dass im mathematischen und naturwissenschaftlichen Schulunterricht zu wenige Beispiele vorgestellt werden, die für Mädchen interessant sind. Ich habe z.B. den Eindruck, dass vor allem Anknüpfungen und Anwendungen der Naturwissenschaften, die die Natur untersuchen oder Alltagsrelevanz haben, bei den Mädchen auf deutlich mehr Resonanz treffen. Wenn sie erstmal den Anschluss verloren haben, ist es schwer das Thema wieder interessant zu finden.

2) Es könnte auch sein, dass Mädchen von klein auf so erzogen werden. Sie lernen: MINT ist Jungenthema und Mädchen interessieren sich nicht dafür. Mädchen und Jungen bekommen anderes Spielzeug und lernen damit unterschiedlich zu spielen. So entwickeln sich auch verschiedene Denk- und Herangehensweisen, die sich später in der Schulzeit auswirken. Jungen lernen, dass von ihnen erwartet wird, stark zu sein und Dinge zu kontrollieren. Mädchen lernen, dass sie besondere soziale Fähigkeiten haben, um anderen zu helfen. Jungen lernen, dass Jungen Mathe können. Mädchen lernen, dass Mädchen Mathe nicht können. So kommt es, dass Mädchen ein geringes Selbstbewusstsein bezüglich ihrer MINT-Fähigkeiten entwickeln. Erleben sie Misserfolge, so führen sie dies auf ihr Nicht-Können zurück, wogegen Jungen diese vielleicht besser mit Rückschlägen umgehen können, weil sie insgesamt höhere Erfolgserwartungen an sich haben.

3) Was die Eltern denken und vorleben ist wichtig. Mein Vater hat mir einen Computer ins Kinderzimmer gestellt und mit mir auf Spaziergängen Formeln hergeleitet, die unmittelbar etwas mit der Natur zu tun hatten. Auch wenn mich das manchmal etwas genervt hat, wird das wesentlich dazu beigetragen haben, dass ich mich für kompetent genug hielt, Mathe als Leistungskurs zu wählen. Außerdem war ich mir bewusst, dass mein Vater in meine Fähigkeiten großes Vertrauen hatte. Warum also nicht auch ich? Ich kann nicht sagen, ob das anders gelaufen wäre, wenn ich einen Bruder gehabt hätte, der Gesprächspartner meines Vaters hätte sein können. Es gibt sicher viele Eltern, die mit ihrer Tochter schimpfen würden, wenn sie den Puppenherd auseinander nimmt, anstatt damit zu kochen, und, die aber bei ihrem Sohn sagen würden: der will ja nur herausfinden, wie das funktioniert.

[... Fortsetzung in Teil 3 ...]

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