26. März 2008...1:48

Gedankliches Zwiegespräch zu „MINT, Gender und eLearning“ (Teil 3)

Zu den Kommentaren

[Fortsetzung von ... Teil2]

… weiter geht’s mit möglichen Ursachen dafür, dass Mädchen kein MINT mögen:

4) Erwachsene bzw. LehrerInnen haben Vorurteile über die Fähigkeiten der Kinder und reagieren unterschiedlich auf die Leistungen von Jungen und Mädchen. Im Projekt Roberta, in welchem Lego-Roboter gebaut werden, wurde z.B. festgestellt, dass das Verhalten von Mädchen häufig negativ interpretiert wird. Befolgten sie brav die Anweisungen des Lehrers, während die Jungen eigene Ideen verwirklichten, hatte der Lehrer den Eindruck, dass die Mädchen aus Desinteresse nur schnell alles fertig gemacht hatten, um sich dann gelangweilt umzuschauen. War es umgekehrt und Mädchen gingen kreativ mit der Aufgabenstellung um, so wurde hervorgehoben, dass die die eigentliche Aufgabenstellung gemieden, und sich mit der „Verschönerung“ ihrer Roboter aufgehalten hätten. Gleichzeitig wurde das Verhalten der Jungen in beiden Szenarien eher positiv Eingeschätzt. Obwohl sie die Aufgabe im ersten Fall nicht gelöst hatten, wurde hervorgehoben, dass sie ja einen andere Roboter gebaut und somit ihre Kreativität und ihre technischen Fähigkeiten gezeigt hätten (in “Die Handlungsträgerschaft von Robotern” von Heike Wiesner nachzulesen).

5) Vielleicht werden Mädchen auch vom MINT-Studium abgeschreckt, weil sie dort hauptsächlich zwischen männlichen Studenten sitzen würden und keine anderen Studentinnen um sich haben. Evtl. nehmen sie das Fach gar als „Männerdomäne“ wahr und neigen aus Gründen der weiblichen Geschlechtszuschreibung dazu sich dafür nicht kompetent genug zu halten, denn “die anderen Frauen studierenden das ja auch nicht”.

6) Eventuell mangelt es Mädchen auch an weiblichen Vorbildern. Die Mutter hat, wenn sie nicht gerade engagierte Hausmanagerin ist, einen eher sozialen Beruf. Viele Jugendliche haben Traumberufe, die ihnen bekannt sind. Wie können sich Jugendliche vorstellen, einen Beruf zu haben, den sie gar nicht kennen oder den jemand hat, mit dem sie sich nicht identifizieren können? Kommend weibliche Vorbilder im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht hinreichend vor? Im Deutschunterricht wird ja evtl. mal eine Autorin vorgestellt, werden aber Errungenschaften von Frauen im Physik oder Biologie-Unterricht überhaupt erwähnt? Ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, das in der Schule erlebt zu haben.

7) Frauen können sich nicht vorstellen einen MINT-Beruf mit ihren anderen Lebensvorstellungen, -träumen und -plänen (wie z.B. Familienplanung) zu vereinbaren. Obwohl eine aktuelle Studie “Frauen auf dem Sprung” der Zeitschrift “Brigitte” besagt, dass in Zukunft ein neuer Typ Frau trotz Kinderwünschen mit neuem Selbstbewusstsein in die Führungsetagen drängt. Trotz ihres positiv gestimmten Ausblicks auf die Zukunft glauben sie aber auch, dass sich Familie und Beruf heute noch schlecht vereinbaren lassen (weitere Stimmen unter Taz.de, Heute.de, Welt.de).

Das sind schon ganz schön viele mögliche Ursachen…

[... Fortsetzung in Teil 4 ...]

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