Die Arbeitspapiere WI „Website Monitoring“ Teil 1 (06/2000) und Teil 2 (07/2000) von Axel Schwickert und Peter Wendt bieten aus wirtschaftsinfomatischer Sicht eine gute Einführung in die Website-Nutzungsanalyse (Website Monitoring, Teilgebiet des Website Controlling).
Unter Monitoring wird die Messung der Leistung und die Beobachtung des zeitlichen Ablaufgeschehens bezeichnet (Teil 1, S. 5). Mit Website Monitoring wird versucht, den Nutzen einer Website zu ermitteln, indem festgestellt wird durch wen eine Website in welchem Ausmaß wie genutzt wird. Ziel ist die Optimierung des beobachteten Systems (Teil 1, S. 5): „Zu den Zielen des Monitoring zählen hier einerseits die qualitative Verbesserung der Web Site und die Beseitigung von Fehlerquellen, aber auch die Gewinnung von Informationen über die Nutzer und deren Verhalten.“ (Teil 1, S. 6)
Aus unternehmerischer Sicht sind Websites aufgrund ihrer Wettbewerbsrelevanz ein nicht zu vernachlässigender Kostenfaktor (Teil 1, S.3). Diese Feststellung gilt mittlerweile auch für universitäre Lehrveranstaltungen. Studierende erwarten von Universitätslehrveranstaltungen, dass Präsentationsfolien aus Vorlesungen sowie weitere Lernmaterialien (Literatur, Übungen, eTests, etc.) online zur Verfügung stehen. Zentrale Lernmanagementsysteme sollen Lehrenden die Bereitstellung von vorhandenen Lernmaterialien sowie die Erstellung von eLearning-Lerneinheiten erleichtern, indem für einzelne Lehrveranstaltungen eigene passwortgeschütze Websites (virtuelle Lernräume) angelegt werden. Dennoch stellt diese „redaktionelle“ Verwaltung einen zusätzlichen Zeit- und damit einen zusätzlichen Kostenfaktor dar, der je nach (Blended Learning) Szenario nicht zu unterschätzen ist. Zusätzlich zur reinen Informations- und Materialdistribution bieten Websites bzw. LMS/virtuelle Lernräume Kommunikations-, Interaktions- (Ankündigungen, E-Mails, Chats, Foren, Wikis, etc.) und Individualisierungsmöglichkeiten, durch die auf spezielle Anforderungen und Bedürfnisse der Nutzer personalisiert reagiert werden kann.
Durch Website Monitoring werden neue Möglichkeiten eröffnet. Einerseits kann – analog zur unternehmerischen Sicht (Teil 1, S.3) – auch für die Online-Lehre eine Nutzenbegründung zur Rechtfertigung des Zusatzaufwandes gewünscht sein. Andererseits bietet die Interaktivität des Mediums Website eine Gelegenheit zur detaillierten Nutzeranalyse und zur direkten und individuellen Kommunikation und Betreuung (Teil 1, S. 17).
Während Unternehmen Website Monitoring meist für Marketingzwecke einsetzen, steht für Universitäten eher die Beobachtung von Lehr- und Lernprozessen mit ggf. bildungswissenschaftlichen Schlussfolgerungen im Vordergrund. Insbesondere Informationsversorgung, Entscheidungsunterstützung sowie zur Qualitätssicherung (Verbesserung des Lehrangebots) kann es aufschlussreich sein, zu ermitteln, durch wen ein virtueller Lernraum in welchem Ausmaß wie genutzt wird. Wenn überhaupt vorhanden beschränken sich bisher verfügbare LMS-Funktionalitäten zur Unterstützung des Lernraum Monitoring (auch: Learner Tracking, Learner Monitoring) meist auf die Erfassung, Aggregation und reduzierte, vereinfachte Präsentation/Visualisierung von technischen Nutzungsdaten.
In Arbeitspapier 07/2000 wird beschrieben aus welchen Quellen die benötigten Monitoring-Daten gewonnen werden können. Zentrale Datenquellen sind die von Servern erzeugten Logfiles. Als weitere Datenquellen werden E-Mails und Web-Formulare (z.B. Umfragen oder persönliche Profilseiten) genannt (Teil 2, S.4-8). Zur Analyse, richtigen Interpretation und Steuerung (ggf. Lehrplanänderung) müssen die erfassten Daten in den entsprechenden (Lehr- und Lern-)Kontext eingeordnet und zu aussagefähigen Kennzahlen verdichtet werden (angelehnt an Teil 1, S.4).
Website Monitoring kann bei zeitnaher Informationsverarbeitung auch als Frühwarnsystem fungieren, das auf Abweichungen von den ursprünglich geplanten Zielgrößen hinweist (Teil 1, S. 10). „Mit der Möglichkeit der automatischen Erfassung und Auswertung von Daten liegen dem Management Indikatoren von bestimmten Entwicklungen sehr zeitnah vor“ (Teil 1, S. 12). Als Beispiel für den nützlichen Einsatz des Lernraum Monitoring kann die Beobachtung des Abrufverhaltens zu eine bestimmtem Dokument sein. Studierende sollen bis zur nächsten Präsenzveranstaltung einen Artikel lesen, der eine Woche vorher im Lernraum hochgeladen wurde. Wenn zu beobachten ist, dass am Tag vor der Veranstaltung noch kein Zugriff erfolgt ist, können die Lehrenden eingreifen und beispielsweise eine Erinnerungsemail versenden.
Ein weiterer Aspekt des Website Monitoring ist die Identifikation und die Einordnung von Nutzern in Kundensegmente (Teil 1, S. 14). Analog wäre für die Lehre eine Einteilung der Lernenden in vordefinierte Gruppen mögliche, so dass eine gezielte Ansprache des einzelnen Nutzers/Studierenden ermöglicht wird. Es könnte sogar für die verschiedenen Lerner(-gruppen) ein individuelles Angebot an Informationen, Lernmaterialien und Support-Maßnahmen eingerichtet werden (angelehnt an Teil1, S.14). Beispielsweise könnten die Lehrenden im obigen Beispiel möglicherweise eine Erinnerungsmail versenden, die nur an die Studierenden adressiert ist, die das Lernmaterial noch nicht abgerufen haben. Auch eine gezielte Personenüberwachung (wann hat X auf welche Seiten und Dokumente zugegriffen) wäre denkbar, jedoch datenschutzrechtlich bedenklich.
Eine Einordnung der Nutzer in Kategorien (z.B. bzgl. ihrer Eigenschaften, wie Gender, Alter, Vorwissen) kann auch für wissenschaftliche Untersuchungen genutzt werden. Dies ließe Vergleiche zwischen bestimmten Nutzergruppen zu. Gibt es Unterschiede im Nutzungsverhalten von männlichen und weiblichen Studierenden? Zu welchen Zeitpunkten greifen die Lernenden differenziert nach bestimmten Eigenschaften bevorzugt auf bestimmte Materialien zu? Die speziellen Informationen über die Eigenschaften der Zielgruppe, die zur Einordnung der Nutzer in Kategorien benötigt werden, müssen jedoch zusätzlich erhoben werden. „Dazu bedarf es soziodemographischer Daten, die normalerweise nur mit einer Kooperation des Nutzers zu erheben sind. Durch Identifikation von Nutzern lassen sich diese bei wiederholten Besuchen auf der Web Site wiedererkennen“ (Teil 1, S. 16).
Die Datenerhebung des Website Monitorings basiert hauptsächlich auf Daten, die bei vom Client an den Server übertragen werden (Teil 1, S. 20). Dabei fungieren Logfiles (Protokolle der Seitenaufrufe) als wesentliche Quelle, aber auch E-Mails (Headerinformationen und Texte) sowie Eingaben in Formulare können genutzt und analysiert werden.
Die beiden Arbeitspapiere sind zugegebenermaßen schon etwas alt (Jahr 2000), jedoch scheinen die Aussagen zum Website Monitoring nach wie vor gültig zu sein. Zu den wirtschaftlichen Motiven können oft Analogien zum eLearning hergestellt werden. Welche Analogien fallen Euch noch auf?