27. September 2009 · 12:58 nachmittags
Lernen findet in mir statt. Es gibt somit – im wörtlich übertragenen Sinne – kein eLearning (= elektronisches Lernen). Aber so wird eLearning (meist) auch nicht verstanden. (Außer einmal im Fitnessstudio als ich von einem Trainer gefragt wurde, ob das eLearning sei, wenn man so einen Chip im Gehirn implementiert hätte). Naja, im bin keine Medizinerin… vielleicht sind die Synapsen und Kurzschlüsse in meinem Gehirn in gewisser Weise auch elektronisch, aber eins weiß ich: Ich habe leider keinen Chip im Gehirn, der diese Aufgabe automatisch für mich übernimmt. Lernen passiert zwar teilweise automatisch, ist aber meist auch sehr viel Arbeit (besonders, wenn ich mir bewusst vornehme, etwas zu lernen).
Den meisten Definitionen von eLearning ist gemeinsam, dass sie sich auf das Lernen mit elektronischen Medien beziehen. Medien können mich zum Lernen anregen oder mir helfen etwas zu wiederholen und zu üben. Sie können mir Zugang zu Menschen, zu Wissen und zu Aktivitäten verschaffen, den ich sonst nicht hätte.
Lernen ist lebenswichtig. Man stelle sich ein Baby vor, das nicht lernt. Jeder Mensch lernt jederzeit. Aber jeder Mensch ist anders, lernt anders und hat andere Möglichkeiten, zu lernen, weil jeder Mensch von einer anderen Lernumgebung umgeben ist.
Lernen lässt sich jedoch immer auf die Grundbedürfnisse des Menschen zurückführen
Wir haben körperliche Grundbedürfnisse. Wir müssen atmen. Natürlich müssen wir auch trinken und essen. Wir brauchen dazu Wärme, die wir z.B. durch Kleidung oder eine Unterkunft bekommen können. Und wir brauchen ab und an Ruhe und Entspannung und vor allem unseren Schlaf. Haben wir von einem dieser Dinge zu wenig, dann wird unser Körper krank. Aber nicht nur der Körper braucht Gesundheit.
Wir haben auch seelische Grundbedürfnisse, wie Sicherheit und soziale Kontakte. Sicherheit und Schutz bekommen wir z.B. durch unsere Unterkunft, aber auch durch Regeln und Ordnungen, wie z.B. Gesetze und Rituale. Außerdem brauchen wir soziale Beziehungen: Freunde, Partnerschaft, Liebe, Sexualität, Fürsorge und Kommunikation.
Um also herauszufinden, was mich zum Lernen bewegt, muss ich mir die Fragen beantworten: Was ist mir wichtig? Was sind meine Grundbedürfnisse? Was macht mich glücklich?
Beispiel: Ich möchte ein intelligenter Mensch sein. Warum? Um Anerkennung von Menschen, die ich bewundere, zu bekommen. Warum? Um als ebenbürtige Gesprächspartnerin angesehen zu werden. Warum? Um mich selbst zu respektieren, zu lieben und um Selbstvertrauen zu haben. Warum? Um selbst die Kraft zu haben, Vorbild für andere zu sein. Anerkennung von wem und Vorbild für wen? Natürlich für mein Netzwerk an sozialen Beziehungen.
Durch die Grundbedürfnisse sowie durch das was wir bisher erfahren und gelernt haben werden unsere weiteren großen Ziele und Wünsche abgeleitet. Ich will Freiheit! Wie kann ich durch mein Sein die Welt ein wenig besser machen? Wie kann ich andere Menschen glücklich machen, ihnen helfen und ihnen das Leben angenehmer machen, denn das macht mich ebenfalls glücklich. Ich möchte für Gerechtigkeit sorgen! Fehler und Probleme beheben! …
Anders betrachtet: Mein pragmatischer, bodenständiger Lebenserhaltungstrieb sorgt natürlich auch dafür, dass ich Geld verdienen will um selbstständig und unabhängig zu sein und da ich Keinem zur Last fallen möchte.
All das bestimmt (manchmal unbewusst) was ich Lernen will.
Mein Lernen benötigt Motivation und Interesse. Motivation kann durch Spaß an etwas und durch Erfüllung entstehen. Motivation kann sich aber auch durch Angst vor etwas anderem ergeben. Spaß an einer Sache fördert das Lernen von anderen „Nebensachen“, die mit der ersten Sache zusammenhängen. Angst habe ich z.B. vor dem Versagen in anstehenden Prüfungen. Prüfungen möchte ich bestehen, um nicht als unfähig zu gelten und auch das zu erreichen, was ich mir in den Kopf gesetzt habe. Daher lerne ich hier ganz bewusst und manchmal ist das eine Qual, wenn ich Sachen lernen muss, von denen ich nicht weiß wofür ich sie eigentlich brauche. Hier fehlt dann die Motivation deutlich. Sie macht das Lernen nämlich leichter.
Ich habe aber manchmal auch scheinbar auch einfach so Interesse an Wissen, das mich fasziniert: Technologie fasziniert mich, Physik fasziniert mich: Wie funktioniert die Welt? Wie funktioniert ein Computer? Wie funktioniert Lernen? Es fasziniert mich, was andere Menschen zustande bringen: Kann ich das auch? Was kann ich eigentlich alles? Ich spiele, lerne spielend, aus Versehen, implizit, eifere – ohne mir groß Gedanken darüber zu machen – Vorbildern (Eltern, Lehrern, Freunden) nach und eigne mir so nützliches Wissen und Fähigkeiten an, welches ich irgendwann brauchen kann.
All das treibt mich zum Lernen an und ich ergreife jede Chance, die sich ergibt, egal was: Ein interessanter Vortrag durch eine inspirierende Person (ob zufällig von meinem Gegenüber im Café oder bewusst im Hörsaal), ein Buch oder Text (ob aus Papier oder digital), eine Geschichte (ob gehört, gesehen, geträumt, live erzählt oder im Fernsehen oder Internet mitbekommen), ein Spiel (ob auf dem Brett, in der freien Natur, im Internet oder auf der Playstation), ein Gespräch, Fragen und Antworten (von Angesicht zu Angesicht oder online) und ein persönliches Erlebnis (mit Haut und Haaren erfahren oder in Gedanken durchgespielt).
Hier kommen also die Medien, die mir neue Lernmöglichkeiten eröffnen wieder ins Spiel und ich bin wieder bei der obigen Frage:
Warum eLearning? Ganz einfach: um mir eine Vielfalt an Möglichkeiten zum Lernen (Inhalte aber auch Kontakte zu anderen Menschen) zu eröffnen, die ich sonst nicht hätte.