Archiv der Kategorie: schule

Überlegungen zur Frage: Warum lehre ich gerne?

An diesem Samstagmorgen überlege ich: Warum lehre ich eigentlich gerne und warum liegt mir das Lehren? Meine Motivation, mein Wissen und meine Fähigkeiten sind höchstwahrscheinlich von einer Reihe von Einflussfaktoren in der Vergangenheit bestimmt und werden von mir ständig weiterentwickelt und an meine aktuellen Erfahrungen angepasst.

Ich habe lange darüber nachgedacht, um möglichste viele Umstände in der Vergangenheit und Gegenwart zu erkennen, die Einfluss auf meine jetzigen Lehrfähigkeiten haben. Es sind z.B.:

  • der Einfluss durch meine Eltern, die beide in der Lehre tätig sind/waren, und darüber fast täglich bericht(et)en

  • Spaß am „Schule spielen“ mit meinen Schwestern und Freunden (abwechselnd die strenge Lehrerin sein, die unglaublich schwierige Hausaufgaben verteilt, und Lernende am laufenden Band in die Ecke stellt :) )

  • meine eigenen Erfahrungen als Lernende mit unterschiedlichsten Lernsituationen: auf der anderen Seite

  • (Un)bewusste aber prägende Beobachtung von Lehrpersonen und Lehre seit der Schulzeit, z.B. die geliebte Grundschullehrerin, die ich auch später noch besucht habe

  • Selber Nachhilfeunterricht als Nebenjob geben, sowohl in einem Nachhilfe-Institut als auch einzelnen Schülern

  • Mit Freunden für Klausuren und mündliche Prüfungen lernen und Anderen dabei zwischendurch etwas beibringen

  • Konkrete Aus- und Weiterbildung bzgl. Didaktik und diverse andere nützliche Möglichkeiten, Wissen und Qualifikationen zu sammeln (z.B. u.A. die Themen Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Lernen & Gedächtnis im Psychologie-Nebenfachstudium, eLearning-Vorlesung, Trainings „Fit für die Lehre“, Stimme und Sprechtraining, etc.)

  • Lesen von Büchern & Artikeln zu Lehre, eLearning und Blended Learning

  • Konkrete eigene Erfahrungen bei der Durchführung von Lehrveranstaltungen, Schulungen und Workshops

  • Feedback und Erzählungen von (anderen) Lernenden

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich mir mein Wissen und meine Fähigkeiten bisher indirekt durch Beobachtung, Erleben und Ausprobieren sowie direkt durch den gezielte Besuch von Lehrveranstaltungen, das Lesen von Publikationen und natürlich durch die Durchführung eigener Lehrveranstaltungen aneignen konnte. Wichtig bei all dem war vermutlich meine sehr positive Haltung bzgl. Lehre, dass ich meistens selbst gerne gelernt habe und dass ich mich in andere Menschen gut hineindenken und einfühlen kann.

An alle Lehrenden unter den Lesern dieses Beitrags: Was hat euch beeinflusst?

2 Kommentare

Eingeordnet unter annafant, blended learning, diss-überlegungen, eLearning, job, lehre, lernen, motivation, philosophin, schule, studieren, studium

Glücklichsein Lernen

Ich hab ja schon den einen oder anderen Beitrag über “Glück” gepostet. Bis Neujahr möchte ich dieses Repertoire mit weiteren Glücksthemen aufstocken. Wer mir dabei helfen möchte, kann gerne auf die kommenden Beiträge mit Hinweisen antworten oder mir eine Mail schicken.

In Heidelberg gibt es eine Schule, in der das Unterrichtsfach “Glück” unterrichtet wird. Die Schülerinnen und Schüler lernen “keine Formeln, sondern für das Leben”, berichtet ein Mädel am Schluß der ARD-Sendung vom Juli 2008. Dies wird z.B. darüber erreicht, dass die Jugendlichen ein gutes Frühstück zubereiten und zu schätzen lernen… Ich frühstücke auch gern. Viel wichtiger ist, dass gelehrt wird, wie man Vertrauen in sich selbst haben kann. Das Unterrichtsfach find ich super!

1 Kommentar

Eingeordnet unter annafant, glück, ohnesinnundzweck, schule

“Lasst sie Kinder sein”

In der ZEIT dieser Woche (vom 23.10.) wird im Artikel “Lasst sie Männer sein” beschrieben, dass Jungen im Schatten der leistungsfähigen Mädchen ständen. Auf ZEIT-Online ist zum Thema schnell eine Leserdiskussion entbrannt, die mich sehr nachdenklich macht, weil so viel pauschalisiert und stereotypisiert wird.

Wenn ich mal Kinder habe, sollen sie als die Individuen behandelt werden, die sie sind, und nicht pauschal mit männer- oder frauenfreundlicher Pädagogik erzogen werden. Jedes Kind sollte geliebt werden und jedem Kind sollten – unabhängig von Geschlecht und Herkunft etc. – alle Chancen offen stehen. Die Aussagen, die ich im Artikel und in den Leserkommentaren herauslese maßen sich häufig an zu wissen, was für Mädchen oder Jungen gut sei. Können wir das so genau wissen? Muss das nicht erst herausgefunden werden? Und müssen wir nicht jedes Kind individuell betrachten und fördern, ob Junge oder Mädchen?

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter annafant, gender, mentoring, schule, studieren

Umfrage unter Schülerinnen: Wie würdet ihr das Lernen gestalten?

In einem Forum zu Schulthemen in der Cybermentor-Community (nur Mädels) habe ich vor kurzem eine Frage gestellt:

Stellt euch mal vor, ihr würdet die Möglichkeit bekommen, eure Schule neu zu organisieren… Ihr als Schüler und Schülerinnen entscheidet selbst, was gut für euch ist.

Wie würde das Lernen dann aussehen? Wie lernt ihr am besten? Gibt es dann noch Lehrer die vor der Klasse stehen und lehren oder funktioniert das auch anders? Würdet ihr moderne Technologien fürs Lernen einsetzen oder in Projekten gemeinsam lernen? …

Einige Mädels haben sich Gedanken gemacht und beschrieben, wie sie sich ihre Schule gestalten würden. Ich möchte die Ergebnisse hier in Stichworten zusammenfassen:

  • Klassenzimmer sollten viel gemütlicher sein. Darin waren sich die meisten einig. Sofas und Stehpulte sollten die übliche Einrichtung ergänzen, damit das Klassenzimmer ein Ort wird, an dem man sich gerne aufhält.
  • In jedem Klassenzimmer sollte mindestens ein PC sein, besser wäre aber noch ein Klassensatz Laptops mit denen viel gearbeitet werden sollte. Damit verbunden wurde auch das Lernen mit Computerprogrammen erwähnt.
  • Einig waren sich viele darüber, dass Lehrer/innen bleiben sollen, weil sonst evtl. gar nicht gelernt wird. Allerdings sollten die Lehrer/innen eine bessere Pädagogik-Ausbildung erhalten, damit sie sich nicht “fertig machen” ließen. Und damit sich verbeamtete Lehrer nicht “darauf ausruhen”, sollte es möglich sein, den Beamtenstatus abzuerkennen. Zur Unterrichtsmethodik gab es unterschiedliche Meinungen. Die einen wollten mehr Gruppenarbeit, die anderen mehr Frontalunterricht. Und eine würde gerne mehr Seminararbeiten machen. Im großen und ganzen waren aber alle für einen abwechslungsreichen Unterricht.
  • Zum Thema Abwechslung gab es weitere Ideen: Mehr raus aus dem Klassenzimmer zu gehen (z.B. Unterricht unter freiem Himmel); Exkursionen machen, z.B. zu Ausstellungen zu reisen oder das echte Berufsleben eines Fachs zu erleben (für den realen Bezug), indem man z.B. “richtige” Mathematiker trifft.
  • Viele haben betont, dass sie den Lehrplan gerne viel früher selbst bestimmen würden. Es sollte möglich sein, in verschiedene Fächer hereinzuschnuppern (Probestunden) und dann eine Fächerwahl nach den eigenen Vorlieben und der Motivation nach zu treffen. Es gab allerdings Einwände, dass gewisse Fächer schon ins Pflichprogramm gehören sollten. Zusätzlich sollte es mehr interessante neue Fächer geben, wie Film, Theater, Anatomie oder Statistik…
  • Die Anzahl der Schüler/innen in einer Klasse sollte kleiner sein.
  • Wichtig war auch, dass es mehr die Möglichkeit geben sollte, im Unterricht selber auf Lösungen kommen zu können – also die Förderung von selbstständigem Lernen.
  • Weiterhin wurde die freie Zeiteinteilung vorgeschlagen, und dass man ein aus einem Angebot aus Vorträgen wählen dürfte, welche man sich anhören möchte.
  • In manchen Fächern – genannt wurde der Sportunterricht – sollte es außerdem keine Bewertung nach Leistung geben.

Ich hoffe, dass ich die wesentlichen Wünsche alle aufgenommen habe. Insbesondere der erste (und meistbestätigte) Wunsch passt zu Gabi Reinmanns aktuellen Beitrag “Die schönsten Gebäude den Schulen und Universitäten” in ihrem e-Denkarium-Blog.

3 Kommentare

Eingeordnet unter blended learning, community, eLearning, lernen, motivation, schule, studieren, webtipp

Unser Girls’Day Programm

“Spaziergang durch die Informatik”

10:00 – 10:30 Uhr
Kennenlernen und Einführungsspiel

10:30 – 11:00 Uhr
TableLemmings-Spiel

11:00 – 11:30 Uhr
RatPack-Projekt

11:30 – 12:00 Uhr
Computergraphik-Demos

12:00 – 12:15 Uhr
Spaziergang zum Rechenzentrum

12:15 – 12:45 Uhr
Virtuelle Realität Demo der CAVE

2 Kommentare

Eingeordnet unter fit4business, frau, frausein, gender, informatik, MINT, rwth, schule, studieren, studium

Gedankliches Zwiegespräch zu „MINT, Gender und eLearning“ (Teil 4)

[Fortsetzung von ... Teil 3]

8 ) Mädchen werden von den Jungen eingeschüchtert und trauen sich nicht im Unterricht mitzumachen. Diese These stützt sich durch die Aussage, dass Mädchen in reinen Mädchenschulen bessere Noten als in Koedukationsschulen erzielen (http://www.mgj-online.de). Das koedukative Schulsystem, in welchem Jungen und Mädchen gemeinsam unterrichtet werden ist quasi schuld. Getrennte Schulen würden zu anderen Ergebnissen führen.

9 ) Frauen (und auch Männer) empfinden naturwissenschaftliches (Schul-)Wissen als ausgesprochen spezialisiert und nicht „allgemeinbildend“. Die beruflichen Zukunftschancen werden als eng wahrgenommen.

10 ) Die Unterrichtskultur (also wie gelehrt und gelernt wird) könnte ausschlaggebend dafür sein, ob Mädchen den Unterricht interessant finden oder nicht. Je nach Fach unterscheiden sich die Methoden ja manchmal stark. Im Physikunterricht werden viele Experimente gemacht und Fakten gelernt, aber das große Gesamtbild fehlt vielleicht? Es könnte sein, dass Mädchen anders lernen z.B. indem sie mehr wert als Jungen darauf legen, etwas richtig zu verstehen und sich dabei nicht so schnell langweilen, wenn sie schon etwas wissen.

F: So… das reicht mir mit deiner Aufzählung von möglichen Ursachen dafür, dass Mädchen keine MINT-Fächer studieren! Ich bin wieder dran mit Fragen stellen…

[Fortsetzung folgt...]

1 Kommentar

Eingeordnet unter eLearning, familie, forschung, frau, frausein, gender, lernen, mentoring, MINT, schule, studieren, studium

Gedankliches Zwiegespräch zu „MINT, Gender und eLearning“ (Teil 3)

[Fortsetzung von ... Teil2]

… weiter geht’s mit möglichen Ursachen dafür, dass Mädchen kein MINT mögen:

4) Erwachsene bzw. LehrerInnen haben Vorurteile über die Fähigkeiten der Kinder und reagieren unterschiedlich auf die Leistungen von Jungen und Mädchen. Im Projekt Roberta, in welchem Lego-Roboter gebaut werden, wurde z.B. festgestellt, dass das Verhalten von Mädchen häufig negativ interpretiert wird. Befolgten sie brav die Anweisungen des Lehrers, während die Jungen eigene Ideen verwirklichten, hatte der Lehrer den Eindruck, dass die Mädchen aus Desinteresse nur schnell alles fertig gemacht hatten, um sich dann gelangweilt umzuschauen. War es umgekehrt und Mädchen gingen kreativ mit der Aufgabenstellung um, so wurde hervorgehoben, dass die die eigentliche Aufgabenstellung gemieden, und sich mit der „Verschönerung“ ihrer Roboter aufgehalten hätten. Gleichzeitig wurde das Verhalten der Jungen in beiden Szenarien eher positiv Eingeschätzt. Obwohl sie die Aufgabe im ersten Fall nicht gelöst hatten, wurde hervorgehoben, dass sie ja einen andere Roboter gebaut und somit ihre Kreativität und ihre technischen Fähigkeiten gezeigt hätten (in “Die Handlungsträgerschaft von Robotern” von Heike Wiesner nachzulesen).

5) Vielleicht werden Mädchen auch vom MINT-Studium abgeschreckt, weil sie dort hauptsächlich zwischen männlichen Studenten sitzen würden und keine anderen Studentinnen um sich haben. Evtl. nehmen sie das Fach gar als „Männerdomäne“ wahr und neigen aus Gründen der weiblichen Geschlechtszuschreibung dazu sich dafür nicht kompetent genug zu halten, denn “die anderen Frauen studierenden das ja auch nicht”.

6) Eventuell mangelt es Mädchen auch an weiblichen Vorbildern. Die Mutter hat, wenn sie nicht gerade engagierte Hausmanagerin ist, einen eher sozialen Beruf. Viele Jugendliche haben Traumberufe, die ihnen bekannt sind. Wie können sich Jugendliche vorstellen, einen Beruf zu haben, den sie gar nicht kennen oder den jemand hat, mit dem sie sich nicht identifizieren können? Kommend weibliche Vorbilder im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht hinreichend vor? Im Deutschunterricht wird ja evtl. mal eine Autorin vorgestellt, werden aber Errungenschaften von Frauen im Physik oder Biologie-Unterricht überhaupt erwähnt? Ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, das in der Schule erlebt zu haben.

7) Frauen können sich nicht vorstellen einen MINT-Beruf mit ihren anderen Lebensvorstellungen, -träumen und -plänen (wie z.B. Familienplanung) zu vereinbaren. Obwohl eine aktuelle Studie “Frauen auf dem Sprung” der Zeitschrift “Brigitte” besagt, dass in Zukunft ein neuer Typ Frau trotz Kinderwünschen mit neuem Selbstbewusstsein in die Führungsetagen drängt. Trotz ihres positiv gestimmten Ausblicks auf die Zukunft glauben sie aber auch, dass sich Familie und Beruf heute noch schlecht vereinbaren lassen (weitere Stimmen unter Taz.de, Heute.de, Welt.de).

Das sind schon ganz schön viele mögliche Ursachen…

[... Fortsetzung in Teil 4 ...]

1 Kommentar

Eingeordnet unter eLearning, frau, frausein, gender, lernen, mentoring, MINT, schule, studieren, studium

Gedankliches Zwiegespräch zu „MINT, Gender und eLearning“ (Teil 2)

[Fortsetzung von ... Teil 1]

[ ... ] Bei gleichem Interesse, lassen sich keine Leistungsvorteile der Jungen nachweisen. Ein Hinweis darauf, dass Mädchen nicht zu wenig Intelligenz für MINT-Themen besitzen, sondern nach anderen Ursachen gesucht werden muss.

 

F: Die Hälfte aller Studierenden sind Studentinnen. Es kann uns ja egal sein, wenn sie sich nicht für MINT interessieren, oder? Warum lang nach Ursachen suchen?

A: Es gibt viele Gründe. In Deutschland gilt das Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit und Frauen werden im MINT-Bereich dringend gebraucht. Vor dem Hintergrund eines beginnenden und in Zukunft größer werdenden Fachkräftemangels kann die Wirtschaft nicht auf im MINT-Bereich gut ausgebildete Frauen verzichten. Ich denke außerdem, dass jedes Team von einem ausgeglichenen, zahlenmäßigen Verhältnis zwischen Frauen und Männern profitieren kann, weil unterschiedliche Sichtweisen gleichermaßen vertreten werden.

F: Nun gut… Frauen dürfen und können ja alles studieren, wie wir festgestellt haben! Warum studieren sie dann nicht MINT?

A: Das weiß ich nicht. Ich kann erklären, warum ich mich nach dem Abitur dazu entschlossen habe ein MINT-Fach – nämlich Informatik – zu studieren. Ich hab auch mal einige Gedanken von Mädchen gesammelt und zusammengefasst, die versuchen zu erklären, warum Mädchen sich nicht für Informatik interessieren. Dass so wenige Fragen MINT studieren kann so viele Ursachen haben… Ich versuche mal einige zusammenzutragen:

1) Wie ich schon angedeutet habe, könnte es sein, dass im mathematischen und naturwissenschaftlichen Schulunterricht zu wenige Beispiele vorgestellt werden, die für Mädchen interessant sind. Ich habe z.B. den Eindruck, dass vor allem Anknüpfungen und Anwendungen der Naturwissenschaften, die die Natur untersuchen oder Alltagsrelevanz haben, bei den Mädchen auf deutlich mehr Resonanz treffen. Wenn sie erstmal den Anschluss verloren haben, ist es schwer das Thema wieder interessant zu finden.

2) Es könnte auch sein, dass Mädchen von klein auf so erzogen werden. Sie lernen: MINT ist Jungenthema und Mädchen interessieren sich nicht dafür. Mädchen und Jungen bekommen anderes Spielzeug und lernen damit unterschiedlich zu spielen. So entwickeln sich auch verschiedene Denk- und Herangehensweisen, die sich später in der Schulzeit auswirken. Jungen lernen, dass von ihnen erwartet wird, stark zu sein und Dinge zu kontrollieren. Mädchen lernen, dass sie besondere soziale Fähigkeiten haben, um anderen zu helfen. Jungen lernen, dass Jungen Mathe können. Mädchen lernen, dass Mädchen Mathe nicht können. So kommt es, dass Mädchen ein geringes Selbstbewusstsein bezüglich ihrer MINT-Fähigkeiten entwickeln. Erleben sie Misserfolge, so führen sie dies auf ihr Nicht-Können zurück, wogegen Jungen diese vielleicht besser mit Rückschlägen umgehen können, weil sie insgesamt höhere Erfolgserwartungen an sich haben.

3) Was die Eltern denken und vorleben ist wichtig. Mein Vater hat mir einen Computer ins Kinderzimmer gestellt und mit mir auf Spaziergängen Formeln hergeleitet, die unmittelbar etwas mit der Natur zu tun hatten. Auch wenn mich das manchmal etwas genervt hat, wird das wesentlich dazu beigetragen haben, dass ich mich für kompetent genug hielt, Mathe als Leistungskurs zu wählen. Außerdem war ich mir bewusst, dass mein Vater in meine Fähigkeiten großes Vertrauen hatte. Warum also nicht auch ich? Ich kann nicht sagen, ob das anders gelaufen wäre, wenn ich einen Bruder gehabt hätte, der Gesprächspartner meines Vaters hätte sein können. Es gibt sicher viele Eltern, die mit ihrer Tochter schimpfen würden, wenn sie den Puppenherd auseinander nimmt, anstatt damit zu kochen, und, die aber bei ihrem Sohn sagen würden: der will ja nur herausfinden, wie das funktioniert.

[... Fortsetzung in Teil 3 ...]

2 Kommentare

Eingeordnet unter eLearning, forschung, frau, frausein, gender, lernen, mentoring, MINT, schule, studieren, studium

Gedankliches Zwiegespräch zu „MINT, Gender und eLearning“ (Teil 1)

Mit diesem Beitrag beginne ich ein gedankliches Zwiegespräch (abgeschaut aus der Philosophie), welches ich mit mir selbst führen will. Da das Gespräch zu lang für einen Beitrag sein wird, werde ich es als Fortsetzungs-Beitrag nach und nach posten. Mein Ziel ist die Ideenfindung. Mitdiskutieren ist erlaubt. Kommentare werden sehr begrüßt und selbstverständlich beantwortet!

F: (die Fragende) und A: (die Antwortende) beginnen heute mit:

F: Du möchtest also ein Problem lösen. Welches Problem ist das?

A: Zu wenige Jugendliche beginnen nach ihrem Abitur ein MINT-Studium. Insbesondere würde ich gerne das Problem lösen, warum sehr wenige Frauen MINT studieren und in MINT-Bereichen tätig sind. Den Begriff MINT verwende ich übrigens für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Es gibt viele Ursachen für die geringe Anzahl Frauen im MINT-Bereich. Ich möchte mir überlegen, ob diese Situation durch einen sinnvollen Einsatz von eLearning-Technologien verbessert werden kann.

F: Interessieren Frauen sich nicht für MINT?
Vielleicht sind sie nicht intelligent genug?

A: Ich glaube nicht, dass Mädchen nicht intelligent genug für MINT sind, sondern eher, dass das Interesse der meisten Mädchen während der Schulzeit nicht geweckt wird. Während meiner Schulzeit hatte ich nicht den Eindruck, dass Mädchen sich gar nicht für MINT interessieren. Sie möchten auch herausfinden wie die Welt um sie herum funktioniert…

Zu Beginn der Schulzeit sind noch keine Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen zu erkennen. Empirische Studien zeigen, dass Jungen und Mädchen in Deutschland am Ende der 1. Klasse noch gleich gut im Rechnen sind. Allerdings übertreffen in Deutschland die Jungen die Mädchen am Ende der Grundschulzeit in ihren mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen, und die Mädchen schneiden besser in den sprachlichen Fähigkeiten ab.

Ist das vielleicht eine spezifisch deutsche Erscheinung? Im internationalen Vergleich gibt es dagegen nämlich (wie z.B. die PISA-Studie zeigt) unter 15-jährigen Jugendlichen beider Geschlechter keine signifikanten Unterschiede. Das Desinteresse der Mädchen an Mathematik zeigt sich in Deutschland insbesondere bei der Wahl der Leistungskurse. Während fast die Hälfte aller Jungen sich für Mathe entscheiden, wählen nur ein Viertel der Mädchen dieses Fach. Die anderen angebotenen MINT-Fächer wie Biologie und Physik werden generell wenig gewählt, wobei sich trotzdem insgesamt mehr Jungen als Mädchen für MINT-Leistungskurse entscheiden.

Meine Aussagen stütze ich auf die Experise für das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg (Oktober 2004) „Mädchen und Naturwissenschaften in der Schule“ von Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland. Darin ist auch nachzulesen, dass bei Lernenden das Interesse am jeweiligen Thema im MINT-Fach von hoher Relevanz ist: Bei gleichem Interesse, lassen sich keine Leistungsvorteile der Jungen nachweisen. Ein Hinweis darauf, dass Mädchen nicht zu wenig Intelligenz für MINT-Themen besitzen, sondern nach anderen Ursachen gesucht werden muss.

[... Fortsetzung in Teil 2]

2 Kommentare

Eingeordnet unter eLearning, forschung, frau, frausein, gender, informatik, mentoring, MINT, schule, studieren, studium

Bündnis länger gemeinsam lernen

Bündnis länger gemeinsam lernen

Ich habe in meiner Schulzeit zwei Schulen kennengelernt: ein deutsches Gymnasium und eine amerikanische Highschool. Oft hört man schlechtes über die amerikanischen Schulen, aber meine persönlichen Eindrücke waren sehr gut. Die Highschool, die ich während meines Auslandaufenthalts in Georgia für ein Jahr besuchen durfte, war allerdings auch eine private Schule, auf die nur SchülerInnen gingen, deren Eltern das Geld für das Schulgeld aufbringen konnten.

Davon abgesehen, habe ich als Schülerin dort viele Konzepte als förderlich für eine gute Lernatmosphäre erlebt. Z.B. gab es Ganztagsunterricht mit angemessen Pausen. Mittags konnte man in der schuleigenen Mensa gesundes Essen bekommen. Viele Kinder kannten sich schon lange, weil sie auch gemeinsam in die angegliederte Grundschule gegangen waren. Jeder Lehrer hatte seinen eigenen Raum, der optimal für den jeweiligen Unterricht eingerichtet war. Jeder Schüler und jede Schülerin hatte einen eigenen Schrank, in welchem man Bücher, Jacken, Sportsachen und Rucksäcke bequem unterbringen konnte. Die Schule war auch sehr schön und gut ausgerüstet. Wenn ich eine Freistunde hatte, konnte ich mich in einen Computerraum setzen, in den Kunstraum gehen und malen oder im Homeroom mit Aufsicht der Homeroom-Lehrerin meine Hausaufgaben erledigen. Wenn ich in einem Fach mit den Hausaufgaben Schwierigkeiten hatte, durfte ich mich nachmittags in den Raum der jeweiligen Lehrerin setzen und bekam dort gemeinsam mit anderen Schülern unterschiedlicher Altersklassen meine Fragen beantwortet. Alle Hobbys wurden außerdem auch in der Schule ausgeübt. Die Auswahl war groß. Von diversen Sportarten bis zur Band, Musical-Gruppe oder zu Mathe- oder Debatier-Clubs konnte man alles mögliche machen… Alles in allem war es immer sehr angenehm in der Schule zu sein. Aber auch der soziale Einsatz außerhalb der Schule wurde von den Jugendlichen gefordert. Jede/r musste eine bestimmte Anzahl Stunden ehrenamtlicher Arbeit nachweisen, um das Jahresabschlußzeugnis zu erhalten. So kam es z.B., dass ich mit anderen zusammen ein Haus gestrichen und in einer Grundschule einer armen Gemeinde bei der Betreuung der Kinder geholfen habe.

Wenn es ein ähnliches Schulleben ist, was die Initiative “länger gemeinsam lernen” erreichen könnte, dann möchte ich sie unterstützen. Noch habe ich keine Kinder. Aber wenn ich mal welche habe, dann sollten sie so eine schöne Schule besuchen können, die zum Lernen motiviert und individuelle Stärken fördert. Auf der Webseite des Bündnis http://bestes-lernen.de/ werden zusätzlich noch andere gute Eigenschaften gefordert…

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter lernen, lernmanagement, qualität, schule, webtipp