19. September 2007 · 3:47 nachmittags
Weiter geht’s mit Zusammenfassungen…
Exzellente Wissensvermittlung und Web 2.0 – neue Ansätze für Hochschulen?
Auch diese zweite Keynote war gut gemacht, obwohl ich den gewählten Titel den tatsächlichen Inhalten nicht ganz zuordnen kann. Es ging wohl insgesamt eher um die Logik der Web 2.0-Netzwerke. Oder doch vielleicht um das wunderbare Zusammenspiel von eLearning und klassischer Lehre, in welchem der Lehrer in einem konstruktivistischem Lernszenario die Aufgabe hat, dem Schüler ein Ziel zu geben und aufzupassen, dass dieser nicht die Orientierung in der Masse der Informationen und Entscheidungen verliert?…
Hängen geblieben ist bei mir die Argumentation zur neuen Form von Wahrheit durch einen Markt der Meinungen im Internet. Prof. Dr. Norbert Bolz – der Redner – stellte, nachdem er seine Definition der Logik der Netzwerke formuliert hatte, die These der „Strength of Weak Ties“ in den Raum, und dass die älteren Generationen Furcht vor dem Web 2.0-Netzwerk haben, weil es keine objektive Wahrheit mehr gäbe. Gab es diese Objektivität denn eigentlich vorher? Die Furcht konnte Prof. Bolz aber für unbegründet erklären, weil es eine neue Form der Publizität der Meinungen (und Gegenmeinungen) gäbe. Jeder Leser im Internet müsse sich selbst ein Bild aus der Menge der Informationen machen. Das neue Ideal, welches die alte Objektivität ersetzt, ist nun Echtheit/Authentizität. Der Vorteil des interaktiven Web 2.0 sei, dass die organisierte Unwahrheit aufgrund der Vielfalt nun keine Chance mehr habe.
Außerdem ging Prof. Bolz auf die Selbstorganisation des Wissens ein, sowie diesbezüglich auf die Angst der Spezialisten zu gut informierte Laien zu treffen (Arzt trifft Patient, der im Internet mal eben schnell nachgelesen hat…). Das Beispiel „Wikipedia“ als Wissensquelle, so stellte er gesondert hervor, enthalte zwar neben besonders guten auch ganz schlechte Artikel, zeige aber insbesondere, dass das, was spannend ist, auch Qualität hat. Das Grundprinzip sei hier: Je größer die Verdichtung, desto unwahrscheinlicher die Unwahrheit oder Lüge.
Zum Schluss ging er noch auf die Internetpräsenz des MIT in Second Life ein, die keinen Widerspruch zum Erfolg in der realen Welt darstelle, weil man bei einem Besuch der virtuellen Örtlichkeiten merke, dass trotz aller Vollständigkeit doch etwas fehlt: Das Meister-Schüler-Verhältnis, in welchem der Lehrer durch seine Autorität einen Weg durch das unüberschaubare Wissen zeigt. Er schließt daraus, dass es kein Widerspruch zwischen eLearning und Präsenzlehre gibt. Norbert Bolz erinnerte sich, dass es in seiner eigenen Laufbahn meist faszinierende Autoritätspersonen gegeben hat, die seine persönliche Laufbahn wesentlich beeinflusst haben. Ich schließe daraus, dass er die Lehrenden beruhigen möchte: Keine Angst, ihr seid trotz eLearning wichtig!
Evaluation als Impulsgeber für Innovationen im eLearning
Dr. Birgit Gaiser von eTeaching.org stellte in ihrem Vortrag ihre Evaluation und Methoden der Qualitätssicherung (Personas Ansatz) im iterativ durchgeführten eTeaching.org-Engineering-Prozess vor. Der Fokus lag hier insbesondere auf der Einhaltung der Ziele der speziell erstellten, fiktionalen Nutzer, die in den Gedanken des eTeaching.org-Teams immer mit am Entwicklertisch sitzen. Als wichtig stellte sie auch das Miteinander von Evaluierenden und Entwickelnden heraus. Insgesamt waren die Erkenntnisse dieses Vortrags für mich nicht neu. Es ist aber gut zu sehen, dass anderswo ein iterativer, qualitätssichernder Web-Engineering-Prozess konsequent wie aus einem Lehrbuch durchgeführt wird. Soll ja nicht so oft vorkommen!
ePortfolios – der “rote Faden” zur Kompetenzentwicklung in B/M.-studiengängen
Dr. Marianne Merkt hielt diesen Vortrag zu ePortfolios und zur Bachelor/Master-Situation (Interessantes Thema leider relativ spröde vorgetragen…). Portfolios definierte sie als eine Sammlung von Werkstücken (wie eine Kunst-Mappe), die den Reflexionsprozess und die Selbstorganisation der Studierenden fördere. ePortfolios können u.a. durch Webseiten realisiert werden, die Strukturierungshilfen und multimediale Werkstücke zusätzlich zu Text, etc. enthalten und bestimmten Personen(gruppen) zugänglich gemacht werden können, um z.B. Feedback zu erhalten. Der Mehrwert entsteht durch den Entstehungsprozess, indem das ePortfolio von Studienbeginn an geführt wird, darin Forschungsfragen ans Studium gestellt werden und es den Studienverlauf vollständig begleitet. Sie ließ sich ausführlich darüber aus, dass dieser Ansatz in der Betreuungssituation von Massenuniversitäten nicht einsetzbar sei.
Gemeinsam bloggen – gemeinsam lernen
Hier fehlen mir Notizen, weil ich nicht mehr sitzen konnte (fehlende Pausen) und daher den Vortrag stehend verfolgt habe. Was hängen blieb ist, dass ein eLearning-Experten-Netzwerk zwischen drei eLearning-Institutionen (mit gelegentlichen eLearning-Treffen) aufgebaut und gepflegt wurde, indem ein gemeinsames Blog für den Informationsaustausch geführt wird. Die Erfahrungen sind insgesamt positiv zu bewerten. Ich glaube, das Blog war privat (passwortgeschützt) für die ETH Zürich?
Medida Prix-Finalisten und Gewinner
Hier wurden sowohl spezielle eLearning-Projekte (z.B. Simulation der Lichtgeschwindigkeit) als auch hochschulübergreifende eLearning-Projekte (megadigitale) vorgestellt. Für mich ist der Gewinner „megadigitale“ mit einem Konzept zur Einführung von eLearning an einer Universität am interessantesten. An der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt wurde ein ganzheitliches BMBF-gefördertes eLearning-Konzept erfolgreich (aber auch mit Zukunfts-Verbesserungsvorschlägen durch die Jury) umgesetzt. “Ziel ist, im ständigen Austausch mit den dezentralen fachbereichsspezifischen Aktivitäten (bottom-up) und in Kombination mit zentralen Serviceleistungen (top-down) einen auf Nachhaltigkeit angelegten Einsatz Neuer Medien in der Lehre hochschulweit zu implementieren.” Hier werden auf verschiedenen Ebenen bestehende Netzwerke zum Austausch genutzt, so dass das Kernteam mit den Akteuren der Fachbereiche zusammengeführt wird. Den Publikumspreis bekam das Projekt “Psychopathology Taught Online” mit seiner eher klassisch aufgebauten Lernsoftware.
So das wars für heute. Fortsetzung folg…