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Warum eLearning?

Lernen findet in mir statt. Es gibt somit – im wörtlich übertragenen Sinne – kein eLearning (= elektronisches Lernen). Aber so wird eLearning (meist) auch nicht verstanden. (Außer einmal im Fitnessstudio als ich von einem Trainer  gefragt wurde, ob das eLearning sei, wenn man so einen Chip im Gehirn implementiert hätte). Naja, im bin keine Medizinerin… vielleicht sind die Synapsen und Kurzschlüsse in meinem Gehirn in gewisser Weise auch elektronisch, aber eins weiß ich: Ich habe leider keinen Chip im Gehirn, der diese Aufgabe automatisch für mich übernimmt. Lernen passiert zwar teilweise automatisch, ist aber meist auch sehr viel Arbeit (besonders, wenn ich mir bewusst vornehme, etwas zu lernen).

Den meisten Definitionen von eLearning ist gemeinsam, dass sie sich auf das Lernen mit elektronischen Medien beziehen. Medien können mich zum Lernen anregen oder mir helfen etwas zu wiederholen und zu üben. Sie können mir Zugang zu Menschen, zu Wissen und zu Aktivitäten verschaffen, den ich sonst nicht hätte.

Lernen ist lebenswichtig. Man stelle sich ein Baby vor, das nicht lernt. Jeder Mensch lernt jederzeit. Aber jeder Mensch ist anders, lernt anders und hat andere Möglichkeiten, zu lernen, weil jeder Mensch von einer anderen Lernumgebung umgeben ist.

Lernen lässt sich jedoch immer auf die Grundbedürfnisse des Menschen zurückführen

Wir haben körperliche Grundbedürfnisse. Wir müssen atmen. Natürlich müssen wir auch trinken und essen. Wir brauchen dazu Wärme, die wir z.B. durch Kleidung oder eine Unterkunft bekommen können. Und wir brauchen ab und an Ruhe und Entspannung und vor allem unseren Schlaf. Haben wir von einem dieser Dinge zu wenig, dann wird unser Körper krank. Aber nicht nur der Körper braucht Gesundheit.

Wir haben auch seelische Grundbedürfnisse, wie Sicherheit und soziale Kontakte. Sicherheit und Schutz bekommen wir z.B. durch unsere Unterkunft, aber auch durch Regeln und Ordnungen, wie z.B. Gesetze und Rituale. Außerdem brauchen wir soziale Beziehungen: Freunde, Partnerschaft, Liebe, Sexualität, Fürsorge und Kommunikation.

Um also herauszufinden, was mich zum Lernen bewegt, muss ich mir die Fragen beantworten: Was ist mir wichtig? Was sind meine Grundbedürfnisse? Was macht mich glücklich?

Beispiel: Ich möchte ein intelligenter Mensch sein. Warum? Um Anerkennung von Menschen, die ich bewundere, zu bekommen. Warum? Um als ebenbürtige Gesprächspartnerin angesehen zu werden. Warum? Um mich selbst zu respektieren, zu lieben und um Selbstvertrauen zu haben. Warum? Um selbst die Kraft zu haben, Vorbild für andere zu sein. Anerkennung von wem und Vorbild für wen? Natürlich für mein Netzwerk an sozialen Beziehungen.

Durch die Grundbedürfnisse sowie durch das was wir bisher erfahren und gelernt haben werden unsere weiteren großen Ziele und Wünsche abgeleitet. Ich will Freiheit! Wie kann ich durch mein Sein die Welt ein wenig besser machen? Wie kann ich andere Menschen glücklich machen, ihnen helfen und ihnen das Leben angenehmer machen, denn das macht mich ebenfalls glücklich. Ich möchte für Gerechtigkeit sorgen! Fehler und Probleme beheben! …

Anders betrachtet: Mein pragmatischer, bodenständiger Lebenserhaltungstrieb sorgt natürlich auch dafür, dass ich Geld verdienen will um selbstständig und unabhängig zu sein und da ich Keinem zur Last fallen möchte.

All das bestimmt (manchmal unbewusst) was ich Lernen will.

Mein Lernen benötigt Motivation und Interesse. Motivation kann durch Spaß an etwas und durch Erfüllung entstehen. Motivation kann sich aber auch durch Angst vor etwas anderem ergeben. Spaß an einer Sache fördert das Lernen von anderen „Nebensachen“, die mit der ersten Sache zusammenhängen. Angst habe ich z.B. vor dem Versagen in anstehenden Prüfungen. Prüfungen möchte ich bestehen, um nicht als unfähig zu gelten und auch das zu erreichen, was ich mir in den Kopf gesetzt habe. Daher lerne ich hier ganz bewusst und manchmal ist das eine Qual, wenn ich Sachen lernen muss, von denen ich nicht weiß wofür ich sie eigentlich brauche. Hier fehlt dann die Motivation deutlich. Sie macht das Lernen nämlich leichter.

Ich habe aber manchmal auch scheinbar auch einfach so Interesse an Wissen, das mich fasziniert: Technologie fasziniert mich, Physik fasziniert mich: Wie funktioniert die Welt? Wie funktioniert ein Computer? Wie funktioniert Lernen? Es fasziniert mich, was andere Menschen zustande bringen: Kann ich das auch? Was kann ich eigentlich alles? Ich spiele, lerne spielend, aus Versehen, implizit, eifere – ohne mir groß Gedanken darüber zu machen – Vorbildern (Eltern, Lehrern, Freunden) nach und eigne mir so nützliches Wissen und Fähigkeiten an, welches ich irgendwann brauchen kann.

All das treibt mich zum Lernen an und ich ergreife jede Chance, die sich ergibt, egal was: Ein interessanter Vortrag durch eine inspirierende Person (ob zufällig von meinem Gegenüber im Café oder bewusst im Hörsaal), ein Buch oder Text (ob aus Papier oder digital), eine Geschichte (ob gehört, gesehen, geträumt, live erzählt oder im Fernsehen oder Internet mitbekommen), ein Spiel (ob auf dem Brett, in der freien Natur, im Internet oder auf der Playstation), ein Gespräch, Fragen und Antworten (von Angesicht zu Angesicht oder online) und ein persönliches Erlebnis (mit Haut und Haaren erfahren oder in Gedanken durchgespielt).

Hier kommen also die Medien, die mir neue Lernmöglichkeiten eröffnen wieder ins Spiel und ich bin wieder bei der obigen Frage:

Warum eLearning? Ganz einfach: um mir eine Vielfalt an Möglichkeiten zum Lernen (Inhalte aber auch Kontakte zu anderen Menschen) zu eröffnen, die ich sonst nicht hätte.

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Zusammenfassung zu Website-Monitoring & Gedanken zu Analogien bzgl. eLearning

Die Arbeitspapiere WI „Website Monitoring“ Teil 1 (06/2000) und Teil 2 (07/2000) von Axel Schwickert und Peter Wendt bieten aus wirtschaftsinfomatischer Sicht eine gute Einführung in die Website-Nutzungsanalyse (Website Monitoring, Teilgebiet des Website Controlling).

Unter Monitoring wird die Messung der Leistung und die Beobachtung des zeitlichen Ablaufgeschehens bezeichnet (Teil 1, S. 5). Mit Website Monitoring wird versucht, den Nutzen einer Website zu ermitteln, indem festgestellt wird durch wen eine Website in welchem Ausmaß wie genutzt wird. Ziel ist die Optimierung des beobachteten Systems (Teil 1, S. 5): „Zu den Zielen des Monitoring zählen hier einerseits die qualitative Verbesserung der Web Site und die Beseitigung von Fehlerquellen, aber auch die Gewinnung von Informationen über die Nutzer und deren Verhalten.“ (Teil 1, S. 6)

Aus unternehmerischer Sicht sind Websites aufgrund ihrer Wettbewerbsrelevanz ein nicht zu vernachlässigender Kostenfaktor (Teil 1, S.3). Diese Feststellung gilt mittlerweile auch für universitäre Lehrveranstaltungen. Studierende erwarten von Universitätslehrveranstaltungen, dass Präsentationsfolien aus Vorlesungen sowie weitere Lernmaterialien (Literatur, Übungen, eTests, etc.) online zur Verfügung stehen. Zentrale Lernmanagementsysteme sollen Lehrenden die Bereitstellung von vorhandenen Lernmaterialien sowie die Erstellung von eLearning-Lerneinheiten erleichtern, indem für einzelne Lehrveranstaltungen eigene passwortgeschütze Websites (virtuelle Lernräume) angelegt werden. Dennoch stellt diese „redaktionelle“ Verwaltung einen zusätzlichen Zeit- und damit einen zusätzlichen Kostenfaktor dar, der je nach (Blended Learning) Szenario nicht zu unterschätzen ist. Zusätzlich zur reinen Informations- und Materialdistribution bieten Websites bzw. LMS/virtuelle Lernräume Kommunikations-, Interaktions- (Ankündigungen, E-Mails, Chats, Foren, Wikis, etc.) und Individualisierungsmöglichkeiten, durch die auf spezielle Anforderungen und Bedürfnisse der Nutzer personalisiert reagiert werden kann.

Durch Website Monitoring werden neue Möglichkeiten eröffnet. Einerseits kann – analog zur unternehmerischen Sicht (Teil 1, S.3) – auch für die Online-Lehre eine Nutzenbegründung zur Rechtfertigung des Zusatzaufwandes gewünscht sein. Andererseits bietet die Interaktivität des Mediums Website eine Gelegenheit zur detaillierten Nutzeranalyse und zur direkten und individuellen Kommunikation und Betreuung (Teil 1, S. 17).
Während Unternehmen Website Monitoring meist für Marketingzwecke einsetzen, steht für Universitäten eher die Beobachtung von Lehr- und Lernprozessen mit ggf. bildungswissenschaftlichen Schlussfolgerungen im Vordergrund. Insbesondere Informationsversorgung, Entscheidungsunterstützung sowie zur Qualitätssicherung (Verbesserung des Lehrangebots) kann es aufschlussreich sein, zu ermitteln, durch wen ein virtueller Lernraum in welchem Ausmaß wie genutzt wird. Wenn überhaupt vorhanden beschränken sich bisher verfügbare LMS-Funktionalitäten zur Unterstützung des Lernraum Monitoring (auch: Learner Tracking, Learner Monitoring) meist auf die Erfassung, Aggregation und reduzierte, vereinfachte Präsentation/Visualisierung von technischen Nutzungsdaten.

In Arbeitspapier 07/2000 wird beschrieben aus welchen Quellen die benötigten Monitoring-Daten gewonnen werden können. Zentrale Datenquellen sind die von Servern erzeugten Logfiles. Als weitere Datenquellen werden E-Mails und Web-Formulare (z.B. Umfragen oder persönliche Profilseiten) genannt (Teil 2, S.4-8). Zur Analyse, richtigen Interpretation und Steuerung (ggf. Lehrplanänderung) müssen die erfassten Daten in den entsprechenden (Lehr- und Lern-)Kontext eingeordnet und zu aussagefähigen Kennzahlen verdichtet werden (angelehnt an Teil 1, S.4).

Website Monitoring kann bei zeitnaher Informationsverarbeitung auch als Frühwarnsystem fungieren, das auf Abweichungen von den ursprünglich geplanten Zielgrößen hinweist (Teil 1, S. 10). „Mit der Möglichkeit der automatischen Erfassung und Auswertung von Daten liegen dem Management Indikatoren von bestimmten Entwicklungen sehr zeitnah vor“ (Teil 1, S. 12). Als Beispiel für den nützlichen Einsatz des Lernraum Monitoring kann die Beobachtung des Abrufverhaltens zu eine bestimmtem Dokument sein. Studierende sollen bis zur nächsten Präsenzveranstaltung einen Artikel lesen, der eine Woche vorher im Lernraum hochgeladen wurde. Wenn zu beobachten ist, dass am Tag vor der Veranstaltung noch kein Zugriff erfolgt ist, können die Lehrenden eingreifen und beispielsweise eine Erinnerungsemail versenden.

Ein weiterer Aspekt des Website Monitoring ist die Identifikation und die Einordnung von Nutzern in Kundensegmente (Teil 1, S. 14). Analog wäre für die Lehre eine Einteilung der Lernenden in vordefinierte Gruppen mögliche, so dass eine gezielte Ansprache des einzelnen Nutzers/Studierenden ermöglicht wird. Es könnte sogar für die verschiedenen Lerner(-gruppen) ein individuelles Angebot an Informationen, Lernmaterialien und Support-Maßnahmen eingerichtet werden (angelehnt an Teil1, S.14). Beispielsweise könnten die Lehrenden im obigen Beispiel möglicherweise eine Erinnerungsmail versenden, die nur an die Studierenden adressiert ist, die das Lernmaterial noch nicht abgerufen haben. Auch eine gezielte Personenüberwachung (wann hat X auf welche Seiten und Dokumente zugegriffen) wäre denkbar, jedoch datenschutzrechtlich bedenklich.

Eine Einordnung der Nutzer in Kategorien (z.B. bzgl. ihrer Eigenschaften, wie Gender, Alter, Vorwissen) kann auch für wissenschaftliche Untersuchungen genutzt werden. Dies ließe Vergleiche zwischen bestimmten Nutzergruppen zu. Gibt es Unterschiede im Nutzungsverhalten von männlichen und weiblichen Studierenden? Zu welchen Zeitpunkten greifen die Lernenden differenziert nach bestimmten Eigenschaften bevorzugt auf bestimmte Materialien zu? Die speziellen Informationen über die Eigenschaften der Zielgruppe, die zur Einordnung der Nutzer in Kategorien benötigt werden, müssen jedoch zusätzlich erhoben werden. „Dazu bedarf es soziodemographischer Daten, die normalerweise nur mit einer Kooperation des Nutzers zu erheben sind. Durch Identifikation von Nutzern lassen sich diese bei wiederholten Besuchen auf der Web Site wiedererkennen“ (Teil 1, S. 16).

Die Datenerhebung des Website Monitorings basiert hauptsächlich auf Daten, die bei vom Client an den Server übertragen werden (Teil 1, S. 20). Dabei fungieren Logfiles (Protokolle der Seitenaufrufe) als wesentliche Quelle, aber auch E-Mails (Headerinformationen und Texte) sowie Eingaben in Formulare können genutzt und analysiert werden.

Die beiden Arbeitspapiere sind zugegebenermaßen schon etwas alt (Jahr 2000), jedoch scheinen die Aussagen zum Website Monitoring nach wie vor gültig zu sein. Zu den wirtschaftlichen Motiven können oft Analogien zum eLearning hergestellt werden. Welche Analogien fallen Euch noch auf?

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Gedanken zu Lehre, Blended Learning, Zugriffsstatistiken und Nutzerprofilen

Obwohl ich mittlerweile schon recht viel über Lehren und Lernen weiß (siehe Beitrag heute morgen: Warum Lehre ich gerne?), heißt das natürlich nicht, dass ich eine Lehrveranstaltung vor ihrem Beginn von Vorne bis Hinten durch-konzeptionieren kann, sodass alles „wie geschmiert“ und erfolgreich (im Sinne, dass die Studierenden die Lernziele erreichen) abläuft. Denn jede Lehrsituation ist anders und bringt neue Herausforderungen. Insbesondere sind meist die Lernenden andere Personen und somit unterschiedlich zu den Lernenden früherer ähnlicher Situationen, die ich kennen gelernt bzw. erlebt habe.

Wie gehe ich also mit der Herausforderung „gute Lehre“ um?

Ich starte zunächst zu Beginn einer Lehrveranstaltung mit einer Menge von Annahmen darüber, welche Rahmenbedingungen (vorhandene Eigenschaften der Lernenden, Lernumgebungen, Materialien, Qualifikationen der Lehrenden und Betreuer…) gegeben sind und wie die Lehrveranstaltung daher ablaufen wird. Basierend auf diesen Annahmen entwickle ich (oder habe ich bereits) ein Lehrkonzept. Dann beobachte und erlebe und beeinflusse ich während der Durchführung, wie es wirklich ist. Wenn etwas anders ist als ich vorhergesehen habe, muss ich meine Vorstellungen/Annahmen bzw. meinen Plan flexibel anpassen. Dies geschieht meistens unterbewusst, indem ich einfach reagiere anstatt mich wirklich hinzusetzen und ein neues Konzept zu machen. Das Ganze ist ein dynamischer, fließender Prozess, welcher auf Beobachtung, Erleben, Reflexion, Interpretation und Anpassung an die jeweilige Situation basiert, und der laufend und parallel stattfindet bzw. sich zyklisch wiederholt. Eine ganz wesentliche Lehraktivität ist – meiner Meinung nach – zu jeder Zeit möglichst unvoreingenommen zu beobachten und kritisch zu reflektieren.

Im folgenden möchte ich mich auf Blended Learning Szenarien beziehen, die sowohl aus Präsenz-Lehrveranstaltungen als auch aus Phasen des mediengestützten (Selbst-)Lernens bestehen (auch ergänzt durch Online-Kommunikation und Kollaboration). In einer Situation, in der ich von Angesicht-zu-Angesicht agiere, kann ich für das Beobachten all meine Sinne einsetzen. Anders ist es dagegen in den Phasen, in denen die Lernenden nicht körperlich anwesend sind. Dennoch habe ich auch hierzu Annahmen darüber, was sie machen und wie sie lernen, und versuche ich auch hier möglichst viel zu beobachten, um herauszufinden, ob meine Annahmen richtig sind.

Hier eine Beispielsituation: Ich gebe den Lernenden innerhalb einer Präsenzveranstaltung die Aufgabe, einen Text zu lesen. Mit meinen Augen kann ich sehen, wer liest. Zumindest nehme ich an, dass jemand liest, wenn die Augen der beobachteten Person auf den Text gerichtet sind und ab und an (in angemessenem Tempo) die Seiten umgeblättert werden. Wenn ich merke, dass die Blicke sich von Text lösen und es unruhig im Raum wird (höre ich mit meinen Ohren), weil Gespräche aufkommen oder andere Aktivitäten aufgenommen werden, kann ich davon ausgehen, dass der Text entweder fertig gelesen wurde oder es andere Gründe (z.B. Unverständnis) gibt, warum nicht weiter gelesen wird. Ich kann dementsprechend reagieren, indem ich z.B. nachfrage „Seid ihr fertig?“ oder „Gibt es Verständnis-Schwierigkeiten?“ oder die Lernenden auffordere weiter zu lesen. Je nach Reaktion kann ich eine interaktive Übung anschließen, den Text diskutieren lassen, Fragen beantworten usw.

In einer vergleichbaren Online-Lernphase, in welcher Lernende aufgefordert sind einen Text zu lesen, habe ich gar keine, erheblich weniger oder im besten Fall andere Möglichkeiten die Situation zu beurteilen. Zudem lesen nicht unbedingt alle Lernenden einen Text gleichzeitig, sondern verteilt über einen gewissen Zeitraum. Meist muss ich nach Ablauf des vorgegebenen Lese-Zeitraums einfach blind davon ausgehen, dass der Text gelesen wurde, weil ich es gesagt habe. Es sei denn, die Lernenden werden aktiv und fangen an online (innerhalb meines Sichtfeldes) zu kommunizieren.

Eine weitere Option, die Blindheit zu überlisten, ist, dass ich aufgrund meiner bisherigen Lehr-Erfahrungen weiß, inwiefern es Probleme geben kann (Lernende vergessen zu lesen oder haben Verständnis-Schwierigkeiten, usw.). Daher kann ich bestimmte, angepasste Aktivitäten einplane ohne genau zu wissen, ob sie wirklich notwendig sind:  In der Annahme, dass viele Lernende vergessen den Text rechtzeitig zu lesen, kann ich z.B. per
E-Mail an die Aufgabe erinnern. Ich kann auch eine Verständnis-Frage anschließen und durch die Antworten der Lernenden (wenn es welche gibt) erkennen, wo diese stehen.

Noch eine weitere Möglichkeit, die mir ein Gefühl dafür gibt, inwiefern die Lernenden die Leseübung wahrscheinlich schon erledigt haben, sind möglicherweise im genutzten eLearning-System vorhandene Zugriffsstatistiken auf den Text. Solange der Text noch gar nicht angeklickt wurde, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er noch nicht gelesen wurde. Ganz sicher kann ich natürlich nicht sein, weil der Text evtl. in der Bibliothek ausgeliehen wurde. Aber weil dieser Beschaffungsweg – meiner Vermutung nach – für die Lernenden umständlicher ist, als einfach auf den Online-Text zuzugreifen, kann ich doch annehmen, dass keiner ihn bisher gelesen hat.

Zeigt die Statistik dagegen, dass es schon einige Klicks auf den Text gab, so kann ich davon ausgehen, dass er von einige Lernenden auch schon gelesen wurde. Zumindest wurde er angeschaut und vielleicht auch heruntergeladen. Wenn er heruntergeladen wurde, kann er jederzeit wieder offline gelesen oder auch an andere Lernende weitergegeben werden. Also bedeutet eine geringere Zugriffszahl im Vergleich zur Anzahl der Lernenden nicht, dass nicht alle den Text gelesen haben. Aber diese Zahl gibt mir zumindest Anlass darüber nachzudenken, ob wirklich alle den Text gelesen haben, und ggf. weitere Nachforschungen (z.B. mit Hilfe von Umfragen) anzustellen oder nochmal an die Aufgabe zu erinnern.

Aus diesem Grund und anderen Gründen halte ich Zugriffsstatistiken und Nutzerstatistiken für ein wichtiges Werkzeug zur Beobachtung der Lernenden in den Online-Lernphasen von Blended Learning Veranstaltungen. Ihre Analyse und Interpretation muss jedoch sorgfältig durchdacht werden, da leicht Fehlschlüsse gemacht werden können. Auch sind Zugriffsstatistiken meist schwer zu lesen und viele Fragen zur Nutzung von Online-Lernressourcen oder Funktionalitäten können nicht (sicher) beantwortet werden. Zu Marketing- oder Verkaufs-Zwecken in Web-Projekten und Social Communities (wie z.B. StudiVZ oder Amazon) wurden die Analysemöglichkeiten auf Basis von Zugriffsstatistiken und Nutzungsprofilen jedoch bereits tiefer gehend erforscht. Viele dieser Forschungsergebnisse wurden erst rudimentär bezüglich ihres Potentials für Blended Learning Szenarien analysiert.

In vielen Learning-Management-Systemen sind heute bereits Zugriffsstatistiken auf Basis von Logfiles mit unterschiedlichem Aussagewert integriert. Auf individuelle Nutzerprofile der Lernenden muss jedoch meist aufgrund der Datenschutzproblematik verzichtet werden. Eine Möglichkeit Datenschutzverstöße zu umgehen ist die Anonymisierung oder Pseudonymisierung der gesammelten Daten. Auch hier muss jedoch gewährleistet werden, dass keine Rückschlüsse auf das Nutzungsverhalten konkreter Personen möglich sind.

Wie können Nutzer- und Zugriffstatistiken sinnvoll und datenschutzrechtlich unbedenklich in eLearning-Systeme integriert werden, sodass Lehrende ihre Blended Learning Szenarien besser beobachten und erforschen können?

Hier möchte ich diese Überlegungen, die ich im Rahmen meiner Promotion mache, zunächst unterbrechen. Ich bin sehr interessiert an euren Kommentaren und werde die Gedanken demnächst fortführen. Was ging euch durch den Kopf, während ihr gelesen habt?

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Einsatzszenarien für eLectures und Podcasts

Im August habe ich in diesem Blog während der Vorbereitung für eine Camtasia-Schulung schon einmal einen Beitrag über Vorteile der Vorlesungsaufzeichnung in der Lehre verfasst. Ich suchte nach Vorteilen und Erfahrungen und habe mehrere hilfreiche Kommentare von aufmerksamen Lesern bekommen (Danke übrigens nochmal!). Mit diesem neuen Beitrag möchte ich auf zwei spannende Einsatzszenarien bezügliche Vorlesungsaufzeichnung und Podcasting und auf die positiven Ergebnisse einer Umfrage hinweisen.

Zur Zeit sammle ich selbst Erfahrungen mit einem Peer Teaching-Szenario. Studierende schauen sich dabei wöchentlich in Vorbereitung auf regelmäßig stattfindende Präsenztermine eLectures an, die in einem virtuellen Lernraum strukturiert nach den Veranstaltungsterminen zur Verfügung stehen. Während der Präsenzzeit steht somit viel Zeit für Fragen, Antworten und gemeinsames Üben zur Verfügung. Diese Zeit wird allerdings nicht von den üblichen Verdächtigen, den “Dozierenden”, gefüllt, sondern von den Studierenden selbst, die in kleinen Teams verantwortlich für jeweils einen Themenbereich sind, didaktisch und inhaltlich geplant. Mein Kollege und ich nehmen auf Augenhöhe mit den Studierenden an der Veranstaltung teil, stellen selbst Fragen, lernen dazu und geben höchstens ab und an als Mentoren einige Ratschläge am Rande der Treffen. Selbst die Übungsaufgaben werden von den Studierenden erstellt und korrigiert. Ich bin baff wie gut das Peer Teaching bei uns funktioniert, habe aber auch einige Vermutungen woran das liegen könnte. Interessierten Lesern, kann ich gerne mehr darüber erzählen.

Ein anderes Szenario ist derzeit via Checkpoint eLearning sowie die Aktuelles-Seiten der Fernuni Hagen zu lesen. Hier werden die Podcast-Beiträge nicht einfach als Vorlesungsaufzeichnung zum Lernen zur Verfügung gestellt, sondern von den Studierenden in kooperativer Zusammenarbeit selbst aufgezeichnet, bearbeitet und produziert. Unter der Verwendung des “Storytelling” wird das Wissen ansprechend über mündlich erzählte Geschichten wie in einem Hörbuch aufbereitet, so dass es für die Zuhörenden später einfach ist aufmerksam zu bleiben. Sehr interessant ist auch die Idee, diese spezielle Gruppenarbeit durch ein per Internet zugängliches System zu unterstützen. Ein Prototyp des Systems scheint schon zu existieren. Es gibt keinen direkten Link von dem Artikel aus. Ich meine mich aber zu erinnern, dass ein Paper in der Mensch und Computer 2008 erschienen ist.

Zum Schluss nun noch der Hinweis auf die Umfrage-Ergebnisse eines Pilotversuches zu Podcasting an der Medizinischen Fakultät Bern. Ganz kurz zusammengefasst interpretiere ich hier: Fast alle (außer 4%) Studierende nutzen Podcasts und besuchen zusätzlich die Präsenzveranstaltung (93%); Ziel der meist ausschnittsmäßigen Nutzung ist es, Sachverhalte, die beim ersten Hören nicht verstanden wurden, nochmal zu wiederholen oder entstandene Fragen zu beantworten; 62% fanden, die Podcasts hätten ihnen ganz geholfen, und 29% fanden, die Podcasts hätten ihnen teilweise geholfen, die Vorlesungsinhalte besser zu verstehen; 85% der Studierenden möchten, dass Vorlesungen weiterhin als Podcast angeboten werden. Diese Ergebnisse stimmen mit dem, was ich bisher sonst so gelesen und gehört habe überein.

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DeLFI’08 Rückblick

Wie bisher bei allen Konferenzen, die ich besucht habe (insgesamt wahnsinnige zwei), haben mir die Reise und der Besuch der Vorträge und Workshops wieder Spaß gemacht. Lübeck hatte sich zudem als wunderschöne Kleinstadt in sonniger Atmosphäre gezeigt. Es ist unglaublich, welches Urlaubsgefühl aufkommt, wenn eine Stadt von Flüssen durchzogen ist. Als Aachenerin bin ich nur (gut versteckte) heiße Quellen gewohnt. Es ist doch was anderes, abends auf einer Terrasse zu sitzen und Kanufahrer sowie Angler zu beobachten.

Da ich die DeLFI-Vorträge, die ich besucht habe, aus zeitlichen Gründen noch nicht zusammengefassen konnte, hier nur soviel: von mäßig interessanten bis sehr guten Präsentationen war alles dabei. Auch in anderen Blogs wird über die DeLFI berichtet. Das e-Teaching.org-Team hat z.B. einige inhaltliche Kommentare geschrieben.

Mein eigener Vortrag ist (gefühlt) übrigens auch ganz gut gelaufen. Verbesserungspotential gibt es selbstverständlich auch, aber das ist beim ersten Mal – denke ich – erlaubt. :)

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Vorteile der Vorlesungsaufzeichnung in der Lehre

Ich bin daran beteiligt einen Workshop zur Vorlesungsaufzeichnung mit Camtasia vorzubereiten und durchzuführen. Zur Motivation, warum überhaupt Aufnahmen von Lehrveranstaltungen gemacht werden sollten, würde ich gerne Vorteile für das Lehren und Lernen nennen.

Schön wären dafür auch Zitate von Lehrenden. Welche Vorteile seht Ihr in der Aufzeichnung von Vorlesungen und welche positiven Erfahrungen habt Ihr damit gemacht?

Ich habe zusätzlich einen Fachhochschullehrer gefunden, der seine Ziele bei der Vorlesungaufzeichnung explizit in einem Weblog beschrieben hat. Prof. Ulrich Schraders formuliert seine Ziele wie folgt:

  • Studierende, die krankheitsbedingt oder aus familiären Gründen nicht an Veranstaltungen teilnehmen können, erhalten eine Möglichkeit, sich die Inhalte eigenständig zu erarbeiten.
  • Ferner sind die Mitschnitte ein Angebot zur Wiederholung, Nachbearbeitung und zur Prüfungsvorbereitung.
  • Interessierten ausserhalb der Hochschule wird eine kostenfreie Möglichkeit angeboten sich im Sinne des Life-Long-Learning weiterzubilden.
  • Ich setze meine Vorlesungen einem Reviewprozess aus, d.h. wenn Interessierte den Vorlesungen folgen, und Unstimmigkeiten, Unverständliches feststellen oder Ergänzungen haben, so besteht die Möglichkeit in dem zugehörigen Blog Ulrich Schrader – Vorlesungen Kommentare zu hinterlassen.
  • Durch diese Kommentare finde ich heraus, wo Bedarf an Änderungen besteht. Ich möchte mir so im Laufe der Zeit ein Vorlesungsarchiv aufbauen, das ich meinen Studenten als Teil des Selbststudiums anbieten kann und vielleicht sogar Inhalte voraussetze.
  • In den Präsenzzeiten können dann auf diese Grundlagen aufbauend Inhalte in Diskussionen vertieft werden oder anwendungs- oder problemorientiert auf Fallstudien, Projekte, etc. eingegangen werden.

Den ganzen Artikel findet Ihr in Prof. Schraders Blog.

Falls Euch zusätzlich Vorteile speziell zur Vorlesungsaufzeichnung mit Camtasia einfallen, nehme ich die hier auch gerne entgegen!

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